On my way

Close the door that you’ve been leaving open „just in case“. Because „just in case“ is blinding you from the doors in front of you that you could be opening instead .

Rebecca Ray

Es ist extrem schwer einen neuen Weg einzuschlagen, wenn man noch nicht weiß, was einen erwartet. Wenn die Ängste und Zweifel schwerer wiegen, als das Bauchgefühl, das eigentlich ganz klar und eindeutig ist. Ich bin mir sicher, die meisten von euch kennen solche Situationen – mal geht es dabei um Kleinigkeiten und andere Male sind es schwere und vielleicht sogar lebensverändernde Entscheidungen, bei denen wir nicht weiterwissen. Genau deshalb möchte ich euch von einer Situation erzählen, in der ich vor einer solchen Entscheidung stand und durch die ich gelernt habe, was es heißt, meiner Intuition wieder zuzuhören. Damals stand ich am Ende meines Bachelorstudiums und ich wusste, dass ich meine Abschlussarbeit schreiben möchte, einfach damit ich dieses Kapitel zu Ende bringen kann und etwas „sicheres“ in der Tasche habe. Doch wie es danach für mich weitergeht, wusste ich einfach nicht. Irgendwie war es naheliegend erst mal mit dem Master weiterzumachen, solange ich keinen genauen Plan hatte, was ich eigentlich will. Denn wäre das sonst nicht Zeitverschwendung? Aber ich wusste, dass es mir immer schwerer gefallen wäre aufzuhören, wenn ich erst einmal angefangen hätte mit dem Master. Ich hätte mir wahrscheinlich eingeredet, dass es gar nicht so schlimm ist und dass die anderen es ja auch alle schaffen. Denn vorher dachte ich schließlich lange Zeit, dass ich „etwas mit Medien“ machen will und wollte am liebsten beim Radio oder Fernsehen arbeiten. Aber auf einmal hat sich das einfach nur noch falsch angefühlt und nicht mehr nach mir. Da war dieses immer stärker werdende Bauchgefühl, das mir gesagt hat, dass ich eigentlich lieber etwas Soziales machen möchte, mit Menschen arbeiten und meine Erfahrungen weitergeben möchte. Und es hat mir immer deutlicher gesagt, dass ich meinen bisherigen Weg einfach nicht mehr weitergehen will, auch wenn es erst mal nur übergangsweise gewesen wäre. Ich wusste deshalb, dass es keine Option ist, so lange zu warten, bis ich den genauen Plan habe, was ich stattdessen machen will. Es wäre nur eine Ausflucht gewesen, um die Entscheidung vor mir herzuschieben und nicht ins Handeln kommen zu müssen. Denn so hätte ich zumindest erst mal meine Komfortzone nicht verlassen müssen, aber mir war auch klar: Das ist es nicht, das ist nicht mein Weg und ich muss endlich eine Entscheidung treffen – um mir selbst zu beweisen, dass eben doch etwas dran sein muss an dieser Intuition, von der immer alle reden. 

Wer kontrolliert, muss nicht vertrauen 

Damit habe ich mich für einen neuen Weg entschieden und alles, was dieser mit sich bringen würde. Das hieß in diesem Fall dann aber eben auch, dass ich keinen festen Plan hatte, kein Sicherheitsnetz, an dem ich mich entlanghangeln konnte. Ich hatte nur mein Gefühl und ich war mir zwischendurch trotzdem oft unsicher, ob das alleine wirklich ausreicht. Irgendwie war das alles so vage für mich, ich war es schließlich einfach nicht mehr gewöhnt, auf meine Intuition zu hören. Die hatte ich die Jahre davor meistens einfach überhört oder abgetan, weil ich es gar nicht für möglich gehalten habe, dass sie mir gute Hinweise geben könnte. Und dann genau dieses Bauchgefühl als meinen einzigen Anker zu haben, war also wieder totales Neuland für mich, in dem ich mich immer ein bisschen verloren und hilflos gefühlt habe. Wir suchen schließlich alle gerne nach Fakten und Zahlen, nach etwas, auf das wir uns verlassen können und dass uns ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit gibt. Genau deshalb hätte ich am liebsten wenigstens eine kleine Aussicht gehabt und einmal auf den großen Gesamtplan des Lebens gespinkst, um zu wissen: Lohnt es sich überhaupt, weiterzugehen und etwas zu riskieren? Oder sollte ich doch lieber wieder zurückgehen in die Medienwelt? Aber ich weiß, so funktioniert das Leben eben nicht. Denn wozu wären wir sonst hier, wenn es nicht darum geht, dass wir alle unsere eigenen Erfahrungen machen, an ihnen lernen und uns selbst ausprobieren? Das weiß ich zwar logisch gesehen, aber trotzdem hätte ich viele Male lieber eine Umleitung genommen, nur damit ich ums Vertrauen herumgekommen wäre und doch noch einen Funken Kontrolle über die Situation gehabt hätte. Doch das ist eben der Preis, den man zahlen muss und um den man nicht herumkommt. Und ich wusste, dass das also für mich der Punkt ist, an dem ich mich entscheiden muss: Wie sehr will ich es wirklich? Ist es mir wichtiger einen „sicheren“ Weg zu gehen und dann damit leben zu müssen, dass ich mich nicht getraut habe, oder kann ich dieses Risiko in Kauf nehmen, um mich selbst auszuleben? Und die Antwort war für mich eindeutig: Nach meiner Zeit der Panikattacken und all dem was ich dabei über mich gelernt hatte, konnte ich einfach nicht mehr zu dem zurück, was ich vorher gemacht habe. Ich habe gemerkt, dass mir das einfach nicht mehr ausreicht und ich mir selbst treu bleiben will, wo ich doch gerade erst gelernt hatte, was mich überhaupt wirklich ausmacht. Und genau deshalb habe ich mich dann doch nicht mehr umgedreht, auch wenn es manchmal vielleicht leichter gewesen wäre.

Warum kriegst du noch nicht was du willst?

Ich habe damals also die Tür zur Journalismus- und Medienwelt geschlossen, damit ich endlich eine Neue öffnen kann, die mehr zu mir passt. Dabei habe ich mich stark gefühlt und endlich auf dem richtigen Weg. Doch auch wenn ich sehr motiviert war loszugehen und Neues auszuprobieren, war es auch gerade nach dieser Entscheidung oft eine Geduldsprobe. Denn natürlich hat sich nicht direkt von heute auf morgen alles verändert, wie ich es gerne gehabt hätte. Ich habe erst einmal langsam durch Praktika in mögliche Bereiche reingeschaut, viele Dinge ausprobiert und dabei oft auch gemerkt, was ich nicht machen will. Wobei natürlich immer die Frage blieb: Worauf läuft das Ganze denn jetzt hinaus? Was soll ich damit jetzt machen? Ich wollte eigentlich immer schon zehn Schritte weitergehen und habe mich geärgert, dass ich nicht schneller weiterkomme, oder endlich eine passende Ausbildung für mich finde. Ich war ja schließlich mehr als bereit dazu – dachte ich zumindest. Denn was ich mich nicht gefragt habe war, ob ich mit all dem, was ich haben wollte, überhaupt schon umgehen kann. Jedenfalls habe ich es mich nicht richtig gefragt. Wahrscheinlich hätte ich damals sofort „Ja, natürlich“ gesagt. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich rückblickend, dass ich es eben nicht war. Vielleicht hätte ich es machen können, aber nicht mit der Selbstsicherheit und der Ruhe, mit der ich es heute machen kann. Ich musste deshalb sehr oft warten und mich mit kleinen Schritten zufriedengeben, auch wenn mir das eigentlich nicht genug Bestätigung war. Denn ich wollte einfach mehr „Sicherheit“, gerade weil ich damals noch nicht wusste, ob es wirklich stimmt, was mir mein Bauchgefühl da sagt. Diese Ungewissheit hat mich immer wieder wahnsinnig gemacht und ich hätte alles dafür gegeben, wenn mir jemand einfach nur gesagt hätte, was ich denn jetzt als nächstes machen soll. Doch jedes Mal, wenn ich wieder kurz davor war den Kopf in den Sand zu stecken, kam ein Wink, der mir gesagt hat: Du bist richtig hier auf deinem Weg. Oft waren das nur ganz kurze Momente und Begegnungen, aber sie haben mir das nötige Durchhaltevermögen gegeben, um weiterzugehen. Dann bin ich plötzlich auf eine Praktikumsstelle aufmerksam geworden, als ich am wenigsten damit gerechnet hätte, oder habe jemanden getroffen, der mir von einer Ausbildung erzählt hat, von der ich vorher noch gar nichts wusste. Vor allem aber waren es die Momente, in denen ich mit anderen Menschen gesprochen habe und ihnen bei Problemen und Konflikten zur Seite gestanden habe. Wenn ich sie in ihrem Glauben an sich selbst bestärken konnte und wir gemeinsam Lösungen finden konnten. Dann hat sich das einfach leicht und richtig angefühlt und ich wusste, dass es genau richtig war, dafür loszugehen.  

Wenn ich loslasse, zeigt das Leben mir den Weg

Auch wenn diese Zeit für mich oft eine Achterbahnfahrt an Gefühlen war, ist sie trotzdem extrem entscheidend gewesen, denn durch sie habe ich gelernt, dass ich mich zu 100% auf mein Gefühl verlassen kann. Diese Entscheidung kam damals nur aus mir und ich habe sie einzig und alleine für mich getroffen, ohne dabei Sicherheit im Außen zu finden. Und egal wie oft ich mich gerne um das Vertrauen gedrückt hätte, rückblickend weiß ich, dass es nichts gegeben hätte, was mich mehr in dem Glauben an meine Intuition und auch in das Leben hätte bestärken können. Das Leben war dabei sozusagen mein bester Lehrer und ich weiß heute, dass ich nicht immer rationale Erklärungen finden muss, nur damit andere meine Entscheidungen verstehen können.  Aber nur weil ich es in diesem Fall geschafft habe, meiner Intuition zu folgen und stark zu bleiben, heißt das natürlich nicht, dass es mir heute immer leicht fällt auf sie zu hören. In den meisten Fällen schon und ich bin sehr froh, dass ich heute einen so guten Draht zu ihr habe und diese kleinen, aber feinen Impulse wahrnehmen kann. Aber dann gibt es eben trotzdem immer mal wieder kleine und große Entscheidungen, die ich treffen muss und bei denen es mir mal schwerfällt, hinzuhören – denn manchmal will ich auch einfach nicht hören, was mir mein Gefühl sagt. Zum Beispiel, wenn ich mich gerade wohlfühle und eigentlich gerne für immer in dieser Lebensphase bleiben würde, aber mein Gefühl mir sagt, dass es für mich an der Zeit ist weiterzugehen. Dann ist es jedes Mal aufs Neue schwer, Altes loszulassen, aber ich weiß heute, dass es einfach dazugehört. Und dass es nicht automatisch heißt, dass damit alles Gute ein Ende hat. Die Dinge kommen zwar dann vielleicht nicht immer so wie ich es mir vorher ausmale, aber oft wird es dadurch sogar viel besser, als ich dachte. Denn im Grunde sind es erst der innere Kampf gegen das Vertrauen und die ganze Angst, die es uns so schwer machen und uns leiden lassen. Wenn wir es nämlich schaffen loszulassen (zumindest ein bisschen) und in das Leben zu vertrauen, dann fühlt es sich an wie in einem Flow, so als würde man segeln und es geht fast von selbst. Dann zeigt das Leben mir den Weg und das hat mir bewusst gemacht, dass ich meinen Weg eben doch nicht ganz „alleine“ gehen muss.